|   Sitemap   |   Impressum   |   Datenschutzhinweise
|   Aktuelles   |   Archiv   |  




Prof. em. Dr.sc.phil Günther Glaser verstorben


Nachruf

Kapitän zur See a.D. der NVA Prof. em. Dr.sc.phil Günther Glaser

Er gehörte zu den etablierten Militärhistorikern der DDR. Was ihn jedoch von vielen seiner ehemaligen Kollegen abhob, war das ehrliche Bemühen, nach 1990 nicht nur seine eigenen wissenschaftlichen Arbeiten kritisch auf den Prüfstand zu stellen, sondern zugleich aufgeschlossen und im Dialog mit Wissenschaftlern aus Ost und West  die Militärgeschichte der DDR von Grund auf neu zu erforschen.

Günther Glaser wurde am 28. Dezember 1922 in Rieschen (Oberlausitz) geboren, absolvierte das Gymnasium in Bautzen und meldete sich nach Kriegsabitur und Arbeitsdienst freiwillig zur Wehrmacht. 1942 kam er als Angehöriger einer Luftwaffen-Felddivision an die Ostfront und geriet dort im März 1943 in sowjetische Gefangenschaft. Er schloss sich dem Nationalkomitee Freies Deutschland an und war als Fronthelfer aktiv. Nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion in die Sowjetische Besatzungszone wurde Günther Glaser Mitglied der KPD (ab 1946 SED) und engagierte sich in der Jugendbewegung. 1949 trat er in die bewaffneten Kräfte ein. Hier war er vor allem im Politbereich der Streitkräfte tätig. Nach einem Fernstudium im Fach Geschichte an der Universität Leipzig kam er 1962 an das damalige Institut für Deutsche Militärgeschichte, das spätere Militärgeschichtliche Institut der DDR (MGI). Dort leitete er bis 1983 die Abteilung Militärgeschichte der DDR, seit 1975 als Ordentlicher Professor. 1985 wurde er emeritiert und als Kapitän zur See aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Sein Forschungsinteresse am MGI galt vor allem der NVA-Geschichte. Als stellvertretender Leiter des Autorenkollektivs war er führend an der Entstehung des DDR-Standardwerkes zur NVA Geschichte „Armee für Frieden und Sozialismus“ beteiligt, wofür er 1984 mit dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde. 

Insbesondere nach der „Wende“ stürzte er sich mit großer Neugier in die Archivarbeit und sah seine Verpflichtung nunmehr darin, neue Forschungen zur Militärgeschichte der DDR anzuregen, zu begleiten und selbst durchzuführen. Sein enormes Fachwissen, seine herausragenden konzeptionellen Fähigkeiten, seine Diskussionsfreudigkeit und sein stets kritisches Hinterfragen halfen ihm dabei und machten ihn zu einem begehrten Gesprächspartner, Herausgeber und Autor. Die Forschungen zur NVA und zum Warschauer Pakt am MGFA und am ZMSBw, mit denen er sich eng verbunden fühlte, sowie die militärgeschichtlichen Arbeiten vieler junger Doktoranden haben davon maßgeblich profitiert.

Günther Glaser verstarb am 15. Juli 2020 im Alter von 97 Jahren in Berlin.

LWissDir Dr. Rüdiger Wenzke, Leiter Forschungsbereich „Militärgeschichte nach 1945“ am ZMSBw

Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann, Kommandeur des ZMSBw




nach oben
nach oben

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den
Pressesprecher Oberstleutnant Dr. Harald Potempa
(zmsbwpressestelle@bundeswehr.org), Telefon +49 331 9714-400.