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Workshop in Potsdam am ZMSBw am 28. Februar 2018:

Zusammen mit dem Zentrum Innere Führung veranstaltete das ZMSBw einen Workshop in der Workshop-Reihe "Messen - Beurteilen - Entscheiden", in diesem Jahr zum Thema Mannschaften.

Der 3. Workshop in der Reihe „Messen – Beurteilen – Entscheiden“ hat in diesem Jahr am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) stattgefunden.

Teilgenommen haben Verantwortliche der Datenbank Innere und Soziale Lage der Bundeswehr (ISoLa) vom Zentrum Innere Führung (ZInFü), als Abgesandter des Beauftragten für Erziehung und Ausbildung des Generalinspekteurs, Oberst Jörg Apel, der stellvertretende Dezernatsleiter Organisationspsychologie, Stefan Hofer, der Unternehmensberater Dr. André Latz sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Forschungsbereichen Militärsoziologie und Innere Führung, Ethik, Militärseelsorge des ZMSBw.

Verantwortlich für die Konzeption und Durchführung waren Frau PD Dr. Birgit Oldopp (ISoLa) und Frau Prof. Dr. Angelika Dörfler-Dierken (ZMSBw). Zum ersten Mal hat der Workshop sich mit einer einzelnen Dienstgradgruppe beschäftigt: mit den Mannschaften, der zahlenmäßig zweitstärksten Dienstgradgruppe in der Bundeswehr.

Oberstleutnant Detlef Kunkel (Isola) wies darauf hin, dass Mannschaften aus sehr unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen werden: Während Bedarfsdecker sie als Spezialisten und Rückgrat der Truppe ansehen und mit neuen Laufbahnmodellen und Karrierepfaden sowie größerer Durchlässigkeit zwischen den Laufbahnen um sie werben, sehen Vorgesetzte die Gefahr, dass sie die etablierten Unteroffiziere verdrängen. Angehörige der Mannschaften selbst streben häufig nach planbarer Freizeit, finanzieller Sicherheit und Ortsstabilität. Manche suchen auch speziell die militärische Gemeinschaft und entsprechende Erfahrungen. Oberst Jörg Apel, der Leiter des Bereichs Beauftragter für Erziehung und Ausbildung des Generalinspekteurs, wies auf die Schwierigkeiten hin, die sich einstellen, wenn ein Dienstposten nicht besetzt ist: Im Zweifelsfall kann ein Luftfahrzeug im Einsatz nicht abheben, weil der „Door Gunner“, also der Bordschütze, der eine in der Tür oder Heckklappe fest montierte Waffe bedient, fehlt. Durch solche Erfahrungen des aufeinander Angewiesenseins gehen militärische Hierarchieen ineinander über.

Der stellvertretende Dezernatsleiter Organisationspsychologie, Stefan Hofer, konnte anhand einer Zweitauswertung der Befragung einsatzerfahrener Soldatinnen und Soldaten der Jahre 2015 und 2016 nachweisen, dass die Mannschaften eine höhere Bereitschaft als Soldaten anderer Dienstgradgruppen haben, in den Einsatz zu gehen. Gleichzeitig kritisieren die Mannschaften nicht nur die in der Öffentlichkeit bekannten Ausrüstungsmängel, die auch zu Ausbildungsdefiziten führen können (wenn etwa die Schießbahn nicht benutzt werden kann), sondern auch gewisse Diskrepanzen zwischen den Aussagen der Bundeswehr-Werbung und der alltäglichen Dienstroutine.

Der Unternehmensberater Dr. André Latz ermunterte die Teilnehmer des Workshops dazu, die sogenannten „kleinen Rädchen im Getriebe“ als „feinfühligen Indikator“ für die Organisationskultur der Bundeswehr zu sehen. Wichtig sei besonders, dass in Gesprächen mit Angehörigen der Mannschaften Einblicke gewonnen werden können in die Dimension des Zwischenmenschlichen. Wenn es auf dieser Ebene nicht stimmt, dann sei das ein Indikator für ernste Probleme.

Zudem solle man die Verlängerung von Dienstzeiten für Mannschaften bis hin zum Status als Berufssoldat als Chance begreifen, weil schließlich Erfahrung auf vielen Dienstposten unverzichtbar ist, gerade wenn die Vorgesetzten nach kurzer Stehzeit wechseln. Außerdem wies er darauf hin, dass die Zufriedenheit mit den Vorgesetzten in der Bundeswehr deutlich größer sei als in der freien Wirtschaft – das ist eine Beobachtung, welche die Bundeswehr durchaus mit Stolz erfüllen könne.

Mannschaften bewerten den Arbeitgeber Bundeswehr signifikant attraktiver als der Rest der Bundeswehrangehörigen, das legte Dr. Gregor Richter (ZMSBw) dar. Dr. Meike Wanner (ZMSBw) machte abschließend darauf aufmerksam, dass Innere Führung gerade auch für Mannschaftssoldaten gelte, da es sich dabei nicht nur um eine Führungsphilosophie, sondern auch um ein Konzept zur Persönlichkeitsentwicklung handelt, das allen Soldatinnen und Soldaten den Sinn und die Verantwortung des Soldatenberufs vermitteln solle. Sie ermunterte dazu, die Entwicklung und Vermittlung zielgruppengerechter Informationsangebote zur Inneren Führung zu intensivieren, um dadurch dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform näher zu kommen.

Erfreulicherweise wurde der Workshop auch durch zwei Angehörige der Mannschaften vom ZInFü und einem jungen Reservisten bereichert.

Die Workshop-Reihe „Messen, Beurteilen, Entscheiden“ wird im Jahr 2019 am ZInFü in Koblenz fortgesetzt.




 

Angelika Dörfler-Dierken


Flyer Workshop.pdf
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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den
Pressesprecher Oberstleutnant Dr. Harald Potempa
(zmsbwpressestelle@bundeswehr.org), Telefon +49 331 9714-400.