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Beauftragter des Inspekteurs des Sanitätsdienstes für Geschichte, Theorie und Ethik der Wehrmedizin

Seit 1. Juli 2016 besteht am ZMSBw der Dienstposten eines „Beauftragten des Inspekteurs des Sanitätsdienstes für Geschichte, Theorie und Ethik der Wehrmedizin“ auf der Ebene der Forschungsbereiche. Die Bezeichnung erfolgte analog zum universitären Querschnittsfach „Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin“. Neben der Forschung liegen die Hauptgaben im konzeptionellen und koordinativen Bereich. Hierzu gehören Beratungs- und Begutachtungsaufgaben ebenso wie Gremienarbeit, die Koordinierung, Implementierung und Überwachung von fachlich einschlägigen Forschungsvorhaben. Das Spektrum der Themenbereiche und Fragestellungen zur Geschichte des Sanitätsdienstes ist groß. Es reicht von der Ereignis-, Institutions- und Organisationsgeschichte, über die Entwicklung des militärärztlichen Berufsstandes, bis hin zu medizinischen Inhalten. – Am ZMSBw werden mittelfristig drei Themengebiete die Geschichtsschreibung zum Sanitätsdienst der Bundeswehr bestimmen, die auch in Einklang mit den Vorgaben der Bereichsvorschrift C1-821/0-4001 „Forschungskorridore im Sanitätsdienst der Bundeswehr“ stehen. In dieser Grundlage für die wehrmedizinische Forschung ist die „Geschichte und Ethik der Wehrmedizin“ neben Bereichen wie etwa Radiobiologie, Mikrobiologie oder Pharmakologie und Toxikologie als einer von sieben Forschungskorridoren explizit ausgewiesen.

Den ersten Schwerpunkt bilden die Geschichtskultur und das Geschichtsbewusstsein im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Besondere Bedeutung kommt dabei der Bewertung des Sanitätsdienstes der Wehrmacht zu: Nicht zuletzt mit Blick auf die Konsequenzen für die Traditionspflege und das berufliche Selbstverständnis im Sanitätsdienst der Bundeswehr wird nach weltanschaulichen, institutionellen wie personellen Kontinuitäten, Diskontinuitäten und Brüchen gefragt.

Einen weiteren Bereich, der beispielhaft für die inhaltliche Synthese der drei Teildisziplinen Geschichte, Theorie und Ethik der Wehrmedizin ist, stellt das Themenfeld „berufliches Selbstverständnis im Sanitätsdienst“ dar. Es umspannt historische, militär- und vor allem medizinethische sowie handlungs- und werttheoretische Erörterungen zum humanitären Völkerrecht, zu berufs- und standesrechtlichen Fragen, zum Arzt-Patient-Verhältnis und anderen Bereichen des medizinischen Alltags.

Die vergleichende Untersuchung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr und des Medizinischen Dienstes der NVA im Rahmen des Großprojektes einer deutsch-deutschen Militärgeschichte des Kalten Krieges von 1970 bis zur Wiedervereinigung am ZMSBw bildet den dritten Schwerpunkt. Ausgehend von der Arbeitshypothese, dass die sanitätsdienstlich-medizinische Versorgung maßgeblich vom Patienten- und Menschenbild und medizinethischen Implikationen geprägt ist und deshalb einen sensiblen Indikator für den Umgang einer Gesellschaft mit ihren Mitgliedern und einer Armee mit ihren Soldaten darstellt, zielt die Studie auch darauf ab, Fragen des inneren Gefüges und der inneren Verfasstheit, des Menschenbildes und des Umgangs mit dem Menschen in den beiden deutschen Armeen zu untersuchen.

Ferner erfolgt eine Einbindung in militärgeschichtliche Forschungs- und Publikationsprojekte für die Zeit vor 1945 und andere Fragestellungen. In der Projektierung sind auch Forschungsvorhaben assoziierter Wissenschaftler innerhalb der Bundeswehr und im zivilen Bereich, um durch solche Kooperationen die Basis der wehrmedizinhistorischen Forschung zu verbreitern und die Wirkkraft dieses Strukturelementes am ZMSBw zu erhöhen.

Ansprechpartner:
Oberstarzt Prof. Dr. Ralf Vollmuth
Ralf1Vollmuth@bundeswehr.org



Leitbild des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (aus: Selbstverständnis des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Erlass Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, Inspekteur, Koblenz 08.07.2015, S. 5):



 

 

Original Geneva Conventions: Originaldokument der ersten Genfer Konvention von 1864 (Quelle: Wikipedia, Foto:
Kevin Quinn)Original Geneva Conventions: Originaldokument der ersten Genfer Konvention von 1864 (Quelle: Wikipedia, Foto: Kevin Quinn)

Gersdorff-Feldscher: Feldscher beim Ausziehen eines Pfeiles. Holzschnitt aus: Hans von Gersdorff, Feldbuch der
Wundarznei, Straßburg 1517, Bl. 38r
Gersdorff-Feldscher: Feldscher beim Ausziehen eines Pfeiles. Holzschnitt aus: Hans von Gersdorff, Feldbuch der Wundarznei, Straßburg 1517, Bl. 38r

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